                            Hintergrundwissen zu BSD

  Greg Lehey

   <grog@FreeBSD.org>

   Version: 43184

   FreeBSD ist ein eingetragenes Warenzeichen der FreeBSD Foundation.

   AMD, AMD Athlon, AMD Opteron, Elan und PCnet sind eingetragene
   Warenzeichen von Advanced Micro Devices, Inc.

   Apple, FireWire, Mac, Macintosh, Mac OS, Quicktime und TrueType sind
   eingetragene Warenzeichen von Apple Computer, Inc., in den Vereinigten
   Staaten und anderen La:ndern.

   Intel, Celeron, EtherExpress, i386, i486, Itanium, Pentium und Xeon sind
   Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der Intel Corporation oder
   ihrer Gesellschaften in den Vereinigten Staaten und in anderen La:ndern.

   Linux ist ein eingetragenes Warenzeichen von Linus Torvalds.

   Motif, OSF/1 und UNIX sind eingetragene Warenzeichen und IT DialTone und
   The Open Group sind Warenzeichen der The Open Group in den Vereinigten
   Staaten und in anderen La:ndern.

   Sparc, Sparc64, und UltraSPARC sind Warenzeichen von SPARC International,
   Inc in den Vereinigten Staaten und in anderen La:ndern. Produkte, die das
   Warenzeichen SPARC tragen, basieren auf einer von Sun Microsystems, Inc.
   entwickelten Architektur.

   Sun, Sun Microsystems, Java, Java Virtual Machine, JDK, JSP, JVM, Netra,
   Solaris, StarOffice und SunOS sind Warenzeichen oder eingetragene
   Warenzeichen von Sun Microsystems, Inc. in den Vereinigten Staaten und in
   anderen La:ndern.

   UNIX is a registered trademark of The Open Group in the United States and
   other countries.

   Viele Produktbezeichnungen von Herstellern und Verka:ufern sind
   Warenzeichen. Soweit dem FreeBSD Project das Warenzeichen bekannt ist,
   werden die in diesem Dokument vorkommenden Bezeichnungen mit dem Symbol
   "(TM)" oder dem Symbol "(R)" gekennzeichnet.

   2013-11-13 von hrs.
   Zusammenfassung

   In der Open Source-Welt steht das Wort "Linux" oft synonym fu:r
   "Betriebssystem", obwohl es nicht das einzige frei verfu:gbare
   Betriebssystem ist. Laut Internet Operating System Counter liefen im
   April 1999 weltweit 31,3 Prozent der vernetzten Rechner unter Linux,
   14,6 Prozent liefen hingegen unter BSD UNIX(R). Einige der weltweit
   gro:ssten Internetdienstleister, darunter Yahoo!, verwenden BSD. Der im
   Jahre 1999 weltgro:sste FTP-Server ftp.cdrom.com (inzwischen abgeschaltet)
   verwendete BSD, um ta:glich 1,4 Terabyte an Daten zu u:bertragen. Hier
   geht es offensichtlich nicht um einen Nischenmarkt, BSD ist vielmehr ein
   gut gehu:tetes Geheimnis.

   Worin besteht nun dieses Geheimnis? Warum ist BSD nicht bekannter? Dieser
   Artikel versucht, diese und andere Fragen zu beantworten.

   Unterschiede zwischen BSD und Linux werden in diesem Artikel kursiv
   dargestellt.

   U:bersetzt von Fabio Tosques.

   [ einzelne Abschnitte / komplettes Dokument ]

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   Inhaltsverzeichnis

   1. Was ist BSD?

   2. Ein echtes UNIX(R)?

   3. Warum ist BSD nicht bekannter?

   4. Ein Vergleich zwischen BSD und Linux

1. Was ist BSD?

   BSD steht fu:r "Berkeley Software Distribution", also fu:r die Verbreitung
   des Quellcodes der University of California, Berkeley, und war
   urspru:nglich als Erweiterung fu:r ein von AT&T's Research entwickeltes
   UNIX(R) Betriebssystem gedacht. Verschiedene Open Source-Projekte beruhen
   auf dieser, als 4.4BSD-Lite bekannten Quellcodeausgabe. In dieser Ausgabe
   sind auch Softwarepakete anderer Open Source-Projekte, insbesondere jene
   des GNU-Projekts, enthalten. Das komplette Betriebssystem umfasst:

     * Den BSD-Kernel, der sich um Prozessscheduling, Speichermanagement, die
       Unterstu:tzung mehrerer Prozessoren (symmetric multi-processing, SMP),
       Gera:tetreiber und anderes mehr ku:mmert.

       Im Gegensatz zum Linux-Kernel gibt es verschiedene BSD-Kernel mit
       unterschiedlichen Fa:higkeiten.

     * Die C-Bibliothek, die grundlegende API des Systems.

       Die C-Bibliothek von BSD basiert auf Berkeley-Code und nicht auf Code
       des GNU-Projekts.

     * Nu:tzliche Programme wie Shells, Programme fu:r Dateioperationen,
       Compiler und Linker.

       Einige Programme stammen aus dem GNU-Projekt, andere hingegen nicht.

     * Das X Window-System fu:r die grafische Benutzeroberfla:che.

       Bei den meisten BSD-Versionen wird das X Window-System eingesetzt und
       zwar die Version des X.org-Projekts. FreeBSD erlaubt es dem Benutzer,
       aus einer grossen Anzahl an Desktop-Umgebungen zu wa:hlen, wie
       beispielsweise Gnome, KDE oder Xfce. Ebenso gibt es leichtgewichtige
       Window-Manager wie Openbox, Fluxbox oder Awesome.

     * Viele weitere Programme und Werkzeuge.

2. Ein echtes UNIX(R)?

   BSD-Betriebssysteme sind keine Nachbauten, sondern Weiterentwicklungen des
   UNIX(R) Betriebssystems von AT&T's Research, das als Vorfahre des modernen
   UNIX(R) System V gilt. U:berrascht Sie diese Aussage? Wie kann das sein,
   wenn AT&T seine Quellen nie als Open Source vero:ffentlicht hat?

   Es stimmt, dass AT&T UNIX(R) kein Open Source ist. Im Sinne des Copyright
   ist BSD daher eindeutig kein UNIX(R). Andererseits fu:gte AT&T aber
   Quellcode von anderen Projekten in den eigenen Code ein, insbesondere
   jenen der Computer Sciences Research Group (CSRG) der University of
   California in Berkeley, CA. Im Jahr 1976 begann die CSRG damit, Ba:nder
   ihrer Software zu vertreiben, die sie Berkeley Software Distribution oder
   BSD nannten.

   Anfangs wurden vor allem Anwendungen vero:ffentlicht. Das a:nderte sich
   schlagartig, als die CSRG von der Advanced Research Projects Agency
   (DARPA) den Auftrag bekam, deren Kommunikationsprotokolle (ARPANET) zu
   u:berarbeiten. Die neuen Protokolle wurden als Internet Protocols
   bezeichnet, und wurden spa:ter als TCP/IP weltbekannt. Die erste
   Implementierung dieser Protokolle erfolgte 1982 als Teil von 4.2BSD.

   Im Laufe der 80er Jahre entstanden einige neue Firmen, die Workstations
   vertrieben. Viele zogen es vor, UNIX(R) zu lizenzieren und kein eigenes
   Betriebssystem zu entwickeln. Sun Microsystems lizenzierte UNIX(R),
   implementierte eine Version von 4.2BSD und bezeichnete das fertige Produkt
   als SunOS(TM). Als es AT&T gestattet wurde, UNIX(R) kommerziell zu
   vertreiben, verkaufte AT&T eine abgespeckte Version namens System III, der
   schnell System V folgte. Im System V-Basissystem waren keine
   Netzwerkfunktionen enthalten, daher wurden alle Implementierungen
   zusa:tzlich mit Software des BSD-Projekts, darunter TCP/IP sowie diverse
   nu:tzliche Programme wie csh oder vi. Diese Erweiterungen wurden unter der
   Bezeichnung Berkeley Extensions zusammengefasst.

   Da die BSD-Ba:nder AT&T-Quellcode enthielten, war eine UNIX(R) Lizenz
   erforderlich. Als im Jahre 1990 die Fo:rderung der CSRG auslief,
   beschlossen einige Mitglieder der Gruppe, den quelloffenen BSD-Code ohne
   den proprieta:ren AT&T-Code zu vero:ffentlichen. Das Ergebnis dieser
   Bemu:hungen war Networking Tape 2, besser bekannt als Net/2. Net/2 war
   aber kein komplettes Betriebssystem, da gut 20 Prozent des Kernelcodes
   fehlten. William F. Jolitz, ein Mitglied der CSRG, schrieb den fehlenden
   Code und vero:ffentlichte diesen Anfang 1992 als 386BSD. Zur gleichen Zeit
   gru:ndete eine andere Gruppe ehemaliger CSRG-Mitglieder das kommerzielle
   Unternehmen Berkeley Software Design Inc. und vero:ffentlichte eine
   Betaversion des Betriebssystems unter dem Namen BSD/386, die auf den
   gleichen Quellen basierte. Spa:ter wurde dieses Betriebssystem in BSD/OS
   umbenannt.

   386BSD war niemals wirklich stabil. Daher spalteten sich 1993 zwei neue
   Projekte ab: NetBSD sowie FreeBSD. Beide Projekte entstanden, weil sich
   386BSD zu langsam weiterentwickelte. Die erste NetBSD-Version entstand
   Anfang 1993, die erste FreeBSD-Version Ende 1993. Zu dieser Zeit hatte
   sich der Quellcode aber derart vera:ndert, dass es schwer war, ihn wieder
   zu verschmelzen. Zudem hatten die beiden Projekte unterschiedliche Ziele,
   die dieser Artikel noch beschreiben wird. 1996 spaltete sich ein weiteres
   Projekt von NetBSD ab: OpenBSD. 2003 spaltete sich schliesslich
   DragonFlyBSD von FreeBSD ab.

3. Warum ist BSD nicht bekannter?

   BSD ist aus vielen Gru:nden relativ unbekannt:

    1. BSD-Entwickler sind eher an der Verbesserung des Codes interessiert
       als an der Vermarktung desselben.

    2. Die Popularita:t von Linux beruht auch auf externen Faktoren wie der
       Presse, sowie auf Firmen, die gegru:ndet wurden, um Linux zu
       vertreiben. Bis heute fehlen den freien BSD-Systemen solche Fo:rderer.

    3. BSD-Entwickler sind vielleicht erfahrener als Linux-Entwickler, und
       haben deshalb weniger Interesse daran, die Benutzung des Systems
       einfacher zu gestalten. Einsteiger sind bei Linux wahrscheinlich
       besser aufgehoben.

    4. 1992 verklagte AT&T BSDI, den Verka:ufer von BSD/386, mit der
       Behauptung, der Quellcode enthalte urheberrechtlich geschu:tzten AT&T
       Code. Zwar kam es 1994 zu einer aussergerichtlichen Einigung, die
       Leute waren aber erst einmal verunsichert. Noch im Ma:rz 2000
       behauptete ein im Web publizierter Artikel, das Verfahren sei erst
       "ku:rzlich" eingestellt worden.

       Bezu:glich der Bezeichnung schaffte der Gerichtsprozess jedoch
       Klarheit: In den 80er Jahren war BSD unter dem Namen "BSD UNIX(R)"
       bekannt. Durch die Entfernung der letzten Zeilen des AT&T-Codes verlor
       BSD das Recht, sich UNIX(R) zu nennen. Deshalb finden Sie in der
       Literatur sowohl Verweise auf "4.3BSD UNIX(R)" als auch auf "4.4BSD".

    5. Nach wie vor existiert das Vorurteil, die einzelnen BSD Projekte seien
       gespalten und zerstritten. Das Wall Street Journal sprach gar von
       einer "Balkanisierung" des BSD-Projekts. Wie der Prozess, basiert auch
       dieses Vorurteil hauptsa:chlich auf alten Geschichten.

4. Ein Vergleich zwischen BSD und Linux

   Wo sind nun die Unterschiede zwischen, sagen wir Debian GNU/Linux und
   FreeBSD? Fu:r die meisten Benutzer sind die Unterschiede nicht gross:
   Beide sind UNIX(R) a:hnliche Betriebssysteme. Beide sind nichtkommerzielle
   Projekte (was fu:r eine Vielzahl anderer Linux-Distributionen nicht gilt).
   Der folgende Abschnitt betrachtet BSD na:her und vergleicht es mit Linux.
   Die meisten Erla:uterungen beziehen sich auf FreeBSD, da es sich dabei um
   das am ha:ufigsten installierte BSD-System handelt. Die Unterschiede zu
   NetBSD, OpenBSD und DragonFlyBSD sind aber gering.

  4.1. Wem geho:rt BSD?

   BSD geho:rt weder einer einzelnen Person, noch geho:rt es einem
   Unternehmen. Entwickelt und zur Verfu:gung gestellt wird es von einer
   technisch interessierten und engagierten Gemeinschaft, die u:ber die ganze
   Welt verteilt ist. Einige BSD-Komponenten sind eigensta:ndige Open
   Source-Projekte mit eigenen Rechten, die getrennt verwaltet und gewartet
   werden.

  4.2. Wie erfolgt die Weiterentwicklung von BSD?

   BSD-Kernel werden nach dem Open Source-Modell weiterentwickelt. Jedes
   Projekt unterha:lt einen o:ffentlich zuga:nglichen Quellcode-Baum, der mit
   dem Concurrent Versions System (CVS) verwaltet wird, und alle Quellen des
   Projekts, die Dokumentation und andere notwendige Dateien entha:lt. CVS
   erlaubt es Anwendern, jede gewu:nschte Version des Systems "auszuchecken"
   (mit anderen Worten, eine Kopie des System zu erhalten).

   Eine Vielzahl von Entwicklern tra:gt weltweit zur Verbesserung von BSD
   bei. Dabei werden drei Typen unterschieden:

     * Ein Contributor schreibt Code oder Dokumentationen. Ihm ist es nicht
       gestattet, seinen Beitrag direkt in den Quellbaum einfliessen zu
       lassen. Bevor dieser Code in das System eingebracht wird, muss er von
       einem registrierten Entwickler, dem Committer gepru:ft werden.

     * Committer ko:nnen Code in den Quellbaum einbringen, das heisst sie
       besitzen Schreibrechte fu:r den Quellcode-Baum. Um ein Committer zu
       werden, muss man zuerst seine Fa:higkeiten im gewu:nschten Gebiet
       unter Beweis stellen.

       Es liegt im Ermessen des Committers, ob er die Allgemeinheit befragt,
       bevor er A:nderungen am Quellbaum vornimmt. In der Regel wird ein
       erfahrener Committer korrekte A:nderungen einfu:gen, ohne sich mit
       anderen abzustimmen. Ein Committer des Documentation Projects ko:nnte
       etwa typografische oder grammatikalische Korrekturen ohne lange
       Diskussion durchfu:hren. Auf der anderen Seite sollten A:nderungen mit
       weitreichenden Konsequenzen vor dem Commit zur Begutachtung
       bereitgestellt werden. Im Extremfall kann ein Mitglied des Core Teams,
       das als Principal Architect fungiert, sogar die Entfernung der
       A:nderung aus dem Quellcodebaum veranlassen. Dieser Vorgang wird als
       backing out bezeichnet. Alle Committer werden durch eine E-Mail u:ber
       die erfolgte A:nderung informiert. Es ist daher nicht mo:glich,
       heimlich eine A:nderung durchzufu:hren.

     * Das Core Team. Sowohl FreeBSD als auch NetBSD besitzen ein Core Team
       zur Betreuung des jeweiligen Projekts. Da die Core Teams erst im
       Projektverlauf entstanden, ist ihre Rolle nicht genau definiert. Um
       ein Mitglied des Core Teams zu sein, muss man kein Entwickler sein,
       obwohl dies die Regel ist. Die Regeln der Core Teams unterscheiden
       sich von Projekt zu Projekt, generell gilt aber, das dessen Mitglieder
       mehr Einfluss auf die Richtung des Projekts haben als Nichtmitglieder.

   Diese Konstellation unterscheidet sich von Linux in einigen Punkten:

    1. Es sind stets mehrere Personen fu:r das System verantwortlich. In der
       Praxis ist dieser Unterschied aber nicht gravierend, da zum einen der
       Principal Architect verlangen kann, dass A:nderungen zuru:ckgenommen
       werden, und zum anderen auch beim Linux-Projekt mehrere Personen das
       Recht haben, A:nderungen vorzunehmen.

    2. Es existiert ein zentraler Aufbewahrungsort (Repository), in dem die
       kompletten Betriebssystemquellen zu finden sind, einschliesslich aller
       a:lteren Versionen.

    3. BSD-Projekte pflegen das komplette "Betriebssystem", nicht nur den
       Kernel. Dieser Unterschied ist aber marginal, da weder BSD noch Linux
       ohne Anwendungsprogramme sinnvoll einsetzbar sind. Die unter BSD
       eingesetzten Applikationen sind oft identisch mit denen von Linux.

    4. Da beim BSD-Projekt nur ein CVS-Quellbaum gepflegt werden muss, ist
       die Entwicklung u:bersichtlicher, und es ist mo:glich, auf jede
       beliebige Version einer Datei zuzugreifen. CVS ermo:glicht auch
       inkrementelle Updates: Das FreeBSD-Repository wird beispielsweise etwa
       100 Mal pro Tag vera:ndert. Viele dieser A:nderungen betreffen aber
       nur einen relativen kleinen Bereich von FreeBSD.

  4.3. BSD-Versionen

   FreeBSD, NetBSD und OpenBSD stellen drei verschiedene "Ausgaben"
   (Releases) zur Verfu:gung. Analog zu Linux erhalten diese Ausgaben eine
   Nummer, etwa 1.4.1 oder 3.5. Die Versionsnummer erha:lt zusa:tzlich ein
   Suffix, das den Verwendungszweck bezeichnet:

    1. Die Entwicklerversion hat das Suffix CURRENT. FreeBSD weist diesem
       Suffix eine Nummer zu, z.B. FreeBSD 5.0-CURRENT. NetBSD verwendet ein
       etwas anderes Bezeichnungsschema und ha:ngt als Suffix nur einen
       Buchstaben an die Versionsnummer an, der A:nderungen an den internen
       Schnittstellen anzeigt, z.B. NetBSD 1.4.3G. OpenBSD weist der
       Entwicklerversion keine Nummer zu, sie heisst also einfach
       "OpenBSD-current". Neue Entwicklungen werden zuerst in diesen Zweig
       eingefu:gt.

    2. In regelma:ssigen Intervallen, durchschnittlich zwei- bis viermal im
       Jahr, wird eine so genannte RELEASE-Version des Systems
       vero:ffentlicht, die dann beispielsweise als OpenBSD 2.6-RELEASE oder
       NetBSD 1.4-RELEASE bezeichnet wird. Diese sind sowohl auf CD-ROM als
       auch als freier Download von den FTP-Servern der Projekte erha:ltlich.
       Diese RELEASE-Versionen sind fu:r Endbenutzer gedacht. NetBSD
       verwendet sogar eine dritte Ziffer, um gepatchte Releases zu
       kennzeichnen (etwa NetBSD 1.4.2).

    3. Sobald Fehler in einer RELEASE-Version gefunden werden, werden diese
       beseitigt und in den CVS-Baum eingefu:gt. Beim FreeBSD-Projekt wird
       die daraus resultierende Version als STABLE bezeichnet, wa:hrend sie
       bei NetBSD und OpenBSD weiterhin RELEASE heisst. Kleinere A:nderungen,
       die sich nach einer Testphase im CURRENT-Zweig als stabil erweisen,
       ko:nnen ebenfalls in die STABLE-Version einfliessen.

   Bei Linux werden hingegen zwei getrennte Code-Ba:ume gepflegt: Eine
   stabile Version und eine Entwicklerversion. Stabile Versionen haben an der
   zweiten Stelle eine gerade Ziffer (2.0, 2.2 oder 2.4). Entwicklerversionen
   haben an der zweiten Stelle eine ungerade Ziffer (2.1, 2.3 oder 2.5). In
   jedem Fall folgt der zweiten Ziffer noch eine dritte, welche die Version
   genauer bezeichnet. Zusa:tzlich fu:gt jeder Verka:ufer einer
   Linux-Distribution selbst Programme und Werkzeuge hinzu. Daher ist auch
   der Name der Distribution nicht unwichtig, da dieser ebenfalls eine
   Versionsnummer entha:lt. So kann die vollsta:ndige Beschreibung
   beispielsweise so aussehen: "TurboLinux 6.0 mit Kernel 2.2.14"

  4.4. Welche BSD-Versionen gibt es u:berhaupt?

   Im Gegensatz zu den zahlreichen Linux-Distributionen gibt es nur vier
   grosse frei verfu:gbare BSDs. Jedes BSD-Projekt unterha:lt seinen eigenen
   Quellcode-Baum und seinen eigenen Kernel. In der Praxis scheinen die
   Unterschiede im Code der Anwenderprogramme aber geringer zu sein als bei
   Linux.

   Es ist nicht einfach, die Ziele der einzelnen BSD-Projekte genau zu
   trennen, da die Unterschiede eher subtiler Natur sind:

     * FreeBSD will eine hohe Leistung erreichen, fu:r den Benutzer einfach
       in der Bedienung sein, und wird von Internetanbietern bevorzugt
       eingesetzt. Es la:uft auf einer Vielzahl von Plattformen, darunter
       i386(TM)-Systeme ("PCs"), Systeme mit einem AMD 64-Bit-Prozessor,
       UltraSPARC(R)-Systeme, Compaq Alpha-Systeme, sowie Systeme, die der
       Spezifikation NEC PC-98 entsprechen. Das FreeBSD-Projekt hat die mit
       Abstand gro:sste Anwenderzahl unter den frei verfu:gbaren
       BSD-Systemen.

     * Bei NetBSD ist Portabilita:t das oberste Ziel: "Natu:rlich la:uft
       NetBSD darauf". NetBSD kann auf vielen verschiedenen Systemen, von
       Palmtops bis hin zu grossen Servern, installiert werden, und wurde
       sogar schon im Raumfahrtprogramm der NASA eingesetzt. Besonders fu:r
       alte Nicht-Intel(R)-Plattformen ist NetBSD die erste Wahl.

     * Bei OpenBSD stehen die Sicherheit und sauberer Code im Vordergrund.
       OpenBSD verbindet bei der Weiterentwicklung des Systems Open
       Source-Konzepte mit rigorosen code reviews. Dadurch entsteht ein sehr
       sicheres System, das OpenBSD fu:r sicherheitsbewusste Unternehmen,
       Banken, Bo:rsen und die US-Regierung zu ersten Wahl macht. Auch
       OpenBSD la:uft, a:hnlich wie NetBSD, auf vielen verschiedenen
       Plattformen.

     * Das Ziel von DragonFlyBSD ist eine hohe Leistung und Skalierbarkeit
       auf allen Systemen, vom Einzelplatzrechner bis hin zu riesigen
       Cluster-Systemen. DragonFlyBSD verfolgt dabei langfristig verschiedene
       technische Ziele, der Schwerpunkt der Entwicklung liegt aber auf der
       Bereitstellung einer SMP-fa:higen Infrastruktur, die leicht zu
       verstehen, zu warten und weiterzuentwickeln ist.

   Es gibt noch zwei weitere BSD UNIX(R) Systeme, die aber nicht Open Source
   sind: BSD/OS sowie Apples Mac OS(R) X:

     * BSD/OS war das a:lteste, von 4.4BSD abstammende Betriebssystem. Es war
       zwar nicht Open Source, Quellcode-Lizenzen konnten aber relativ
       gu:nstig erworben werden. Es wies viele Gemeinsamkeiten mit FreeBSD
       auf. Zwei Jahre, nachdem BSDi von Wind River Systems u:bernommen
       worden war, wurde die Entwicklung von BSD/OS als eigensta:ndiges
       Produkt eingestellt. Zwar wird BSD/OS von Wind River noch
       unterstu:tzt, eine aktive Weiterentwicklung erfolgt allerdings nur
       noch fu:r das Embedded-Betriebssystem VxWorks.

     * Bei Mac OS(R) X handelt es sich um die neueste Version des
       Betriebssystems der Macintosh(R)-Linie von Apple Computer Inc.'s.
       Darwin, der BSD-Kern des Betriebssystems ist als voll
       funktionsfa:higes Open Source-Betriebssystem fu:r x86- sowie
       PPC-Computer erha:ltlich. Die grafische Oberfla:che Aqua/Quartz und
       andere proprieta:re Anwendungen von Mac OS(R) X sind aber weiterhin
       closed-source Software. Einige Darwin-Entwickler sind auch
       FreeBSD-Committer, was auch fu:r den umgekehrten Fall gilt.

  4.5. Worin unterscheidet sich die BSD-Lizenz von der GNU Public License?

   Linux steht unter der GNU General Public License (GPL), die entworfen
   wurde, um closed-source Software zu verhindern. Jede Software, die von
   einer Software abgeleitet wurde, die unter der GPL steht, muss wieder
   unter der GPL vero:ffentlicht werden. Auf Verlangen ist auch der Quellcode
   zur Verfu:gung zu stellen. Die BSD-Lizenz ist dagegen weniger restriktiv:
   Der Quellcode muss nicht zur Verfu:gung gestellt werden, es ko:nnen also
   auch Bina:rdateien verbreitet werden. Dieser Umstand ist besonders fu:r
   Anwendungen im Embedded-Bereich interessant.

  4.6. Was sollte ich sonst noch wissen?

   Da fu:r BSD weniger Anwendungsprogramme verfu:gbar waren als fu:r Linux,
   wurde ein Softwarepaket entwickelt, das die Ausfu:hrung von
   Linuxprogrammen unter BSD ermo:glicht. Dieses Paket entha:lt zwei Dinge:
   Kernelmodifikationen zur korrekten Ausfu:hrung von Linux-Systemaufrufen
   sowie Linuxkompatibilita:tsdateien, beispielsweise die C-Bibliothek von
   Linux. Unterschiede in der Ausfu:hrungsgeschwindigkeit von
   Linuxanwendungen auf einem Linuxrechner und einem vergleichbaren mit BSD
   ausgestatteten Rechner sind in der Praxis so gut wie nicht feststellbar.

   Die "Alles-aus-einer-Hand"-Natur von BSD hat den Vorteil, dass Upgrades im
   Vergleich zu Linux ha:ufig leichter durchzufu:hren sind. BSD aktualisiert
   Bibliotheken, indem es Kompatibilita:tsmodule fu:r a:ltere Versionen der
   Bibliotheken bereitstellt. Daher ist es mo:glich, auch mehrere Jahre alte
   Bina:rdateien ohne Probleme auszufu:hren.

  4.7. Was soll ich nun benutzen, BSD oder Linux?

   Was heisst das nun alles fu:r die Praxis? Wer sollte BSD, wer Linux
   benutzen?

   Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Trotzdem folgen nun einige
   Empfehlungen:

     * "Wenn es nicht kaputt ist, fass' es nicht an!": Wenn Sie schon ein
       frei verfu:gbares Betriebssystem verwenden und damit glu:cklich sind,
       gibt es eigentlich keinen vernu:nftigen Grund fu:r einen Wechsel.

     * BSD-Systeme, inbesondere FreeBSD, ko:nnen eine weitaus bessere
       Leistung als Linux-Systeme aufweisen. Diese Aussage ist aber nicht
       allgemein gu:ltig. In den meisten Fa:llen sind die
       Leistungsunterschiede aber gering oder gar nicht festzustellen. In
       bestimmten Fa:llen kann auch Linux eine bessere Leistung aufweisen.

     * In der Regel haben BSD-Systeme den Ruf, zuverla:ssiger zu sein. Diese
       Aussage beruht auf der reiferen Codebasis.

     * Die BSD-Projekte haben den Ruf, u:ber qualitativ und quantitativ
       bessere Dokumentation zu verfu:gen. Die verschiedenen
       Dokumentationsprojekte haben das Ziel, eine sta:ndig aktualisierte und
       in zahlreiche Sprachen u:bersetzte Dokumentation zu erstellen, die
       alle Aspekte des System umfasst.

     * Die BSD-Lizenz kann attraktiver sein als die GPL.

     * BSD-Systeme ko:nnen die meisten Linuxprogramme ausfu:hren, wa:hrend
       Linux keine BSD-Programme ausfu:hren kann. Viele BSD-Systeme ko:nnen
       sogar Programme von anderen UNIX(R) a:hnlichen Systemen ausfu:hren.
       Daraus ko:nnte man ableiten, dass die Migration auf ein BSD-System
       einfacher ist, als es bei Linux der Fall wa:re.

  4.8. Wo gibt es Support, Serviceleistungen und Schulungen fu:r BSD?

   BSDi / FreeBSD Mall, Inc. bieten seit fast 10 Jahren Support-Vertra:ge
   fu:r FreeBSD an.

   Daru:ber hinaus finden sich auf den folgenden Seiten der einzelnen
   Projekte Firmen, die Supportleistungen anbieten: FreeBSD, NetBSD, und
   OpenBSD.
